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Lasst sie zu Hause – ein Plädoyer für freie Sommerferien
von Caroline Rosales


Viele Kinder müssen in den Ferien weiter zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Warum auch Kinder einfach mal frei haben sollten.

Berlin.. Wir sind gerade umgezogen, deshalb fahren wir diesen Sommer nicht weg. Aber ich habe drei Wochen meines Jahresurlaubes genommen. Meine Tochter ist heute den letzten Tag im Kindergarten. Mein Sohn findet Kisten und Anarchie cool.

Er klettert über sie hinweg, macht sich vier Marmeladenbrote in der Küche, danach ist ihm so schlecht, dass er sich erst einmal hinlegen muss. Mit allen Playmobil-Römern, seiner Tonie-Box und einem Wassereis – er hat schon seit einer Woche Ferien. Er füttert die Spinne im Hof mit Ameisen („Die waren schon tot“). Oder malt Bilder aus Büchern ab.

Ferien: Mein Sohn soll sich langweilen
Unsere Aupair aus Mexiko macht sich Sorgen. „Er macht den ganzen Tag nichts. Da gibt es doch Ferien-AGs, Waldkurse oder Lernhefte.“ Ich schüttele den Kopf. Ich will, dass er sich langweilt. Ich will, dass er sich sogar so sehr langweilt, dass er sinnlose Sachen macht, wie vier Brote so gut wie gleichzeitig zu essen.

Als ich acht Jahre alt war, musste ich eine Woche zu meiner Großmutter auf den Bauernhof in der französischen Provinz. Die einzige tagesfüllende Beschäftigung für meine Schwester und mich war es, mit den viel zu kleinen Rädern im Hof herumzufahren.

Auch Kinder haben Urlaubsanspruch
Ich erinnere mich, wie ich die Minuten gezählt habe. „Ich denke mir dann Geschichten aus“, sagt mein Sohn. Aus Langeweile beginnt er sogar Bücher zu lesen, die ich ihm gerade nicht vorlesen kann, weil ich Kisten auspacke. Von seinem Hochbett aus überblickt er mein Chaos.

Erst vor Kurzem richtete der Alternative Wohlfahrtsverband Soal in Hamburg einen Urlaubs-Appell an die Eltern: Jene 20 Tage Urlaub, auf die jeder Arbeitnehmer mindestens Anspruch habe, stünden auch den Kindern zu. Denn Kitas seien auch Bildungseinrichtungen. „Urlaub von der Kita“ sei wichtig. Der Kita-Gutschein sichere zwar das Recht auf ganzjährige Betreuung, sei aber kein „Kinder-Abgabe-Schein“.

Kinder haben ein Recht auf Urlaub – aber das ist bei berufstätigen Eltern nicht einfach

Zugegeben, ich gehörte bis vor einem Monat auch zu den Eltern, die sich das wenig zu Herzen genommen haben. Mindestens zwei Jahre habe ich durchgearbeitet, neben der Arbeit meine Bücher geschrieben, Lese-Reisen, getarnt als Urlaube, Termine, getarnt als Familienausflüge – meine Kinder mussten ständig mitziehen, hinter Theaterbühnen auf meiner Jacke schlafen, im Hotel-Doppelbett mit mir.

Die Kollektion der ICE-Züge (ein Plastikzug pro Kind pro Fahrt) haben sie längst zweimal komplett. In der „taz“ erklärte eine Erzieherin, die nicht namentlich genannt werden möchte, jetzt dass es ein Trend sei – Eltern, die nur an sich denken und die Kita als Dienstleistungsbetrieb sehen.

Ich gebe ihr bedingt recht. Es mag sein, dass viele Eltern ihre Kinder auch in den Ferien in den Hort oder in den Kindergarten bringen, viele müssen aber einfach für GELD arbeiten. Als ich meine Kinder während der Hochphase meines Buchschreibens in Leggings und T-Shirt in der Kita abgab, konnte ich die Gedanken der Erzieher förmlich hören. „Die geht jetzt nicht ins Büro. Die legt sich doch gleich wieder hin oder geht zur Maniküre.“

Schuldgefühle – das muss nicht mehr sein
Dass mein verwahrloster Zustand nächtlicher Arbeit geschuldet war, konnte ich nicht vermitteln. Dennoch (und das kann die deutsche Gesellschaft so gut) fühle ich mich schuldig. Meinem Sohn nie den Urlaub gegeben zu haben, den er mal brauchte oder verdiente.

Und jetzt, wo es einmal geht, bin ich so glücklich, drei Wochen zu Hause zu sein. Mit ihm. Und 100 Playmobil-Römern, die gleich nach dem Mittagessen weiterkämpfen müssen. In der Varusschlacht. Hat er aus einem Buch.

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