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20 Jahre Kinderhaus Hobbit (13.11.2009)

20 Jahre Kinderhaus Hobbit

Herzlichen Glückwunsch, das Kinderhaus Hobbit ist 20 Jahre alt geworden!  

Vor zwanzig Jahren, im Oktober 1989, wurde das Kinderhaus Hobbit in Hamburg-Bramfeld mit Räumen in der Schule Fahrenkrön eröffnet. Rita Wridt, Leiterin der Kita, erzählt vom Werdegang ihrer Kita.
 
 
(Soal) Wie hat alles angefangen?
 
ritaklein.jpg(Rita Wridt) Ich habe mit einer anderen Kollegin in einer staatlichen Einrichtung der Vereinigung gearbeitet. Uns hat damals schon nicht gefallen, wenn Kinder aus dem Krippenbereich ihre Gruppe wechseln mussten, um in den Elementarbereich zu wechseln. Sie mussten, dann nicht nur ihre Freunde verlassen, sondern auch ihre Bezugspersonen. Manchmal änderte sich auch der Erziehungsstil der Erzieherinnen. Dieses führte bei uns zu der Überlegung, ob wir dies durch ein anderes pädagogisches Konzept verändern könnten. So kamen wir schließlich auf die Idee, selbst eine Kita zu gründen in der alle Kinder wie in einer großen Familie zusammen in einer Gruppe betreut werden.
 
Wie habt ihr Unterstützung bei der weiteren Planung erhalten?
 
Wir hatten Glück, weil wir in der Heimaufsicht an Frau Spieß gerieten, die uns an Soal verwiesen hat. Vor zwanzig Jahren war Soal noch ein Zwei-Mann-Betrieb in der Rosenhofstraße, aber schon damals haben wir die Beratung als sehr unterstützend und hilfreich empfunden. Wir haben uns außerdem an den Ortsamtleiter in Bramfeld gewandt, um den Bedarf nach Kindertagesbetreuung in den Stadtteilen in Erfahrung zu bringen. Herr Noster war von unserer Idee der Familiengruppen begeistert.
 
Wie seid ihr an eure ersten Räume gekommen?
 
Einige Schulen hatten leer stehende Räume, das war unser Glück, denn wir hatten so die Möglichkeit einen Klassenraum in der Grundschule Fahrenkrön zu mieten und konnten unser Experiment mit der altersgemischten Gruppe beginnen.
 
Wie lautet dein Fazit heute, nach zwanzig Jahren Arbeit in altersgemischten hobbitjubi2.jpgGruppen?
 
Ich muss ehrlich sagen, dass ich nie wieder anders arbeiten möchte. Im sozialen Miteinander einer altersgemischten Gruppen lernen Kinder ungeheuer viel ganz von alleine. Jedes Kind kann in seinem eigenen Tempo seine Entwicklungsschritte vollziehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Kind, das beispielsweise noch nicht so gut mit einer Schere umgehen kann, dies irgendwann aufholt. Möglicherweise hat es stattdessen gerade seinen Schwerpunkt in der Bewegung. In der altersgemischten Gruppe muss es aber nicht darunter leiden, dass es den Umgang mit der Schere noch nicht beherrscht, denn da gibt es immer einen der es auch noch nicht kann. Der Druck auf die Kinder, mit den Gleichaltrigen gleichziehen zu müssen, entfällt so.
 
Wie hat sich das Kinderhaus Hobbit e. V. weiter entwickelt?
 
Der Betreuungsbedarf in Bramfeld war sehr groß, so dass wir uns rapide erweitern konnten. Im Jahr 1997 sind wir in unser heutiges Haus umgezogen. Herr Noster hatte uns die Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum Bau in Steilshoop vermittelt. Das Ausbildungszentrum war damals auf der Suche nach einem sozialen Projekt. Dahinter stand die Idee des Guten Bauwerks; Überbetriebliche Auszubildende sollten während ihrer Ausbildung ein soziales Bauwerk bauen können, das nicht wieder eingerissen wird. Herr Noster konnte sogar den damaligen Bürgermeister Henning Voscherau als Schirmherr gewinnen. Das Haus unserer Kita, das jetzt dem Verein gehört, wurde genau nach unseren Vorstellungen vom Ausbildungszentrum Bau errichtet. Das Grundstück ist im Besitz der Schule, aber auf lange Zeit an uns verpachtet. Ich habe damals immer gesagt, sechs Richtige im Lotto brauche ich nicht mehr, denn ich habe diese Räume bekommen. Die Bauarbeiten waren auch für die Kinder toll, denn sie konnten miterleben, wie ihre neue Kita entstand. Toll war auch, dass wir ein Gründach von einem Vater aus unsere Kita gespendet bekommen haben .
 
Vor ein paar Jahren habt ihr auch das Außengelände gestaltet.
 
Ja, durch das Soal-Qualitätsentwicklungsverfahren (Soal QE), an dem wir teilgenommen haben, sind viele Ideen für das Außengelände entstanden. Früher bestand es einfach aus einer Wiese. Jetzt gibt es dort einen kleinen Hügel, mit einem Tunnel und einer Wasserstelle. Und wir benutzen ganz viel Baumaterial, Kisten, Baumstämme, Küchengeräte, Kannen und sogar Backbleche. Eine Sitzecke ist entstanden, in die sich die Kinder zurückziehen können. Und dann gibt es noch eine Weidenecke, die leider ziemlich kaputt ist. Meine Idee ist es, die Weidenecke durch Bambusmatten wieder zu reparieren. Das werde ich aber erst mit den Kinder besprechen, da ich nicht weiß ob es auch ihr Bedürfnis ist, oder ob sie die Weidenecke ganz anders nutzen wollen.
 
Stichwort Qualitätsentwicklung – was hat sich durch das Soal-QE bei euch verändert?
 
Durch die Altersmischung war für uns die Individualität der Kinder immer ein Schwerpunkt, d.h. wir haben immer schon darauf geachtet, dass die Kinder ihre Entwicklungsschritte nach ihren Bedürfnissen machen können. Das Soal-QE-Verfahren hat diese Arbeitsweise noch verstärkt und ihren Nutzen auch wissenschaftlich unterstützt. Wir bemühen uns auch immer darum, die Räume so zu gestalten, dass sie flexibel zu handhaben sind. Ich finde es wichtig, alles relativ schnell und umkompliziert anders nutzen und umbauen zu können. So haben wir vor einiger Zeit , aus unserem Werkraum einen Forscherraum gemacht. Momentan wird der Kreativbereich neu gestaltet, weil wir ihn zu unübersichtlich und wenig anregend finden. Das Soal-QE-Verfahren hat da eine ganze Menge bewirkt, ich empfinde es als Meilenstein in unserer Arbeit.
 
Gibt es Wünsche für die Zukunft?
 
Ich wünsche mir ein besseres Miteinander mit den Eltern, die unsere Arbeit leider zunehmend als Dienstleistung betrachten. Die Wichtigkeit von frühkindlicher Bildung sollte nicht nur in der Gesellschaft gesehen, sondern auch honoriert wird. Und dann wünsche ich mir, dass Kinder wieder Kinder sein dürfen. Ich staune oft darüber, wie sehr ihre Freizeit nachmittags durchorganisiert ist. Vor lauter festen Terminen gibt es kaum Zeit, um sich spontan zu verabreden. Ich hoffe, dass allmählich ein Umdenken bei den Eltern stattfindet. Außerdem planen wir die Eröffnung einer Krippe mit 27 Kindern in einem weiteren Gebäude und dafür wünsche ich uns viel Erfolg. 
 
Das wünsche ich euch auch! Vielen Dank für das Interview!
 

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