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Deutschkenntnisse (22.08.2019)

Deutschkenntnisse

Debatte um Vorschulpflicht für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen

Anfang August ging eine Debatte durch die Presse über Vorschulpflicht für Kinder mit „sehr schlechten Deutschkenntnissen“. Angestoßen wurde diese durch Carsten Linnemann, den stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Bundestagsfraktion. Gegenüber der Rheinischen Post hatte er die Vorschlupflicht oder notfalls eine spätere Einschulung der betroffenen Kinder verlangt. Er bezog sich dabei auf Sprachtests in Duisburg, die ergaben, dass 16 % der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten. Es gab zahlreiche Proteste und Reaktionen aus anderen Parteien, auf die wir an dieser Stelle nicht eingehen wollen. Spannender finden wir die Frage, wie es in Hamburg aussieht, welche Unterstützung Kinder für ihre Sprachbildung bekommen und was wir für verbesserungswürdig halten?

Denn in Hamburg gibt es die Vorschulpflicht für Kinder mit ausgeprägtem Sprachförderbedarf bereits seit 2006. Alle Kinder, bei denen bei der Viereinhalbjährigen Vorstellung ein ausgeprägter Sprachförderbedarf festgestellt wird, fallen unter die Vorschulpflicht. Sofern die Eltern keinen Antrag auf Verbleib in der Kita stellen oder der Kita-Besuch nur 5-stündig ist, ist die Teilnahme an der „Additiven Sprachförderung“ zweimal wöchentlich in der Schule verpflichtend.

Längst am Start: Erfolgversprechende Förderprogramme

Es gibt keine aktuelle Auswertung, wie erfolgreich diese Maßnahme ist. Wir sehen es nach wie vor als wenig förderlich an, die Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung herauszunehmen, gerade wenn sie erst seit kurzem in der Kita sind. Erfolgversprechender sind dagegen Förderprogramme, die die Sprachbildung in der gesamten Kita voranbringen – wie das Bundesprogramm Sprach-Kitas von dem das ganze Team und letztlich alle Kinder profitieren. Auch die Bemühungen von Politik und Behörden, den Kindern einen früheren Kita-Besuch zu ermöglichen, sind ein positiver Ansatz. Unterstützt wird dies teilweise von bezirklich geförderten Eltern-Lotsen, dem Bundesprogramm Kita-Einstieg etc. die zum Ziel haben, den zugewanderten Familien den Zugang zur Kita zu erleichtern.

Je länger der Kitabesuch, desto besser das Deutsch

Der Zusammenhang zwischen der Dauer des Kita-Besuchs und dem Spracherwerb wird erneut belegt in der Auswertung der Viereinhalbjährigen-Vorstellung des Jahres 2017/18. (Das Verfahren zur Vorstellung Viereinhalbjähriger, Dr. Meike Heckt, Dr. Britta Pohlmann, ifbq Hamburg, August 2018). Demnach nahmen 16.636 Kinder an der Vorstellung teil. Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund betrug 52,8 %. Die Auswertung ergab, dass 16,4 % der Kinder in der Familie überwiegend eine andere Sprache als Deutsch spricht und 6,3 % gar kein Deutsch. Von den Kindern ohne Migrationshintergrund besuchen 56,9 % seit mehr als 3 Jahren eine Kita und lediglich 4,7 % seit weniger als einem Jahr. Von den Kindern mit Migrationshintergrund sind 34,8 % seit mehr als 3 Jahren in der Kita und 11,6 % seit weniger als einem Jahr. Bei 17,2 % der vorgestellten Kinder wurde ein ausgeprägter Sprachförderbedarf festgestellt, das waren 2 % mehr als in dem Jahr davor. Der Anstieg steht im Zusammenhang mit der stärkeren Zuwanderung von Familien. Von den Kindern, die weniger als ein Jahr die Kita besuchen, zeigte sich bei 40,6 % ein ausgeprägter Sprachförderbedarf. Bei den Kindern, die ein bis zwei Jahre die Kita besuchen, waren es nur noch 24,9 %, bei mehr als 3 Jahren sank der Anteil auf 7,1 %.

Kinder mit Sprachförderbedarf sollten länger in der Kita bleiben dürfen

Für Kinder, die zum Zeitpunkt der Viereinhalbjährigen Vorstellung noch keine Kita besuchen, gibt es den 6-stündigen kostenfreien Kita-Platz. Eine Gerechtigkeitslücke sehen wir in der Vorgabe, dass Kinder, die bereits mit 5-Stundengutschein in der Kita sind, nicht kostenlos auf 6 Stunden aufstocken können, sondern weiterhin nur bei berufsbedingtem Bedarf der Eltern. Auch ist der Sprachförderbedarf kein Kriterium für die Bewilligung von mehr als 5 Stunden nach Prio 10. Wir plädieren seit langem für einen Rechtsanspruch auf 8 Stunden. Denn auch der längere Verbleib am Tag in der Kita bietet den Kindern größere Chancen mit anderen Kindern im Kontakt die deutsche Sprache zu erfahren. Den positiven Bemühungen zu einem früheren Kita-Einstieg stehen häufig die mangelnden Kita-Plätze, verbunden mit zu wenig Fachpersonal entgegen. Diesen Mängeln abzuhelfen ist erste Priorität einzuräumen. Eine populistische Forderung nach Vorschulpflicht ist wenig hilfreich.

 

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