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Draußenspiel (08.10.2018)

Draußenspiel

Leseempfehlung „Draußen spielen – ein unterschätzter Motor der kindlichen Entwicklung“
 

Kinder haben ein Recht auf Spiel, so steht es auch in der UN Kinderrechtskonvention, die von den meisten Staaten ratifiziert ist. Das Spielen, insbesondere das selbstbestimmte Draußenspiel ist allerdings gefährdet. Auch in Hamburg wird Kindern immer weniger Fläche im öffentlichen Raum zugestanden. Hier fordert SOAL ein Umdenken.

Wie wichtig das Draußenspiel für Kinder ist, belegt die Autorin Christiane Richard-Elsner in ihrer Studie "Draußen spielen - ein unterschätzter Motor der kindlichen Entwicklung", die in der Reihe „Analysen & Argumente“ der Konrad Adenauer Stiftung erschienen ist. Die wichtigsten Punkte haben wir zusammengefasst.

Beim Draußenspiel agieren Kinder unbeeinflusst von Erwachsenen in idealerweise anregungsreichen, naturhaften Freiräumen. Das Spiel ergibt sich aus der Umgebung, den Materialien, den Spielpartnern und der individuellen Verfassung des Kindes. Sinneserfahrungen, körperliche Bewegung und soziale Interaktion sind wesentliche Bestandteile des Spielens.

Wieso müssen wir spielen?
Spielen ist ein biologisch angelegtes Bedürfnis. Kinder machen sich durch das Spiel mit ihrer kulturellen und natürlichen Umwelt vertraut. Sie lernen, flexibel auf Lebensumstände einzugehen. Das Gehirn ist bis zur Pubertät vor allem ausgerichtet auf das kurzfristige, spontane Reagieren auf Umwelteinflüsse aller Art. Bewegungsorientierter, kreativer, spielerischer, zeitvergessener Umgang mit der Umwelt ist die von Kindern bevorzugte Lernform. Auf dieser Erkenntnis beruht auch die SOAL-Broschüre „Spielend von der Kita in die Schule – wie Kinder sich bilden“. Voraussetzung für das freie Spielen sind gute Spielbedingungen.

Kein Platz fürs Spielen
Straßenverkehr, fehlende Freiräume, das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Eltern, Anonymität im Stadtteil und Zeitdruck verhindern das Spielen. Unspezifische Flächen, die von Kindern genutzt werden können, gibt es kaum noch. Spielplätze sind kein Ersatz für freie Spielflächen, denn allenfalls Sandkästen bieten Kleinkindern Gestaltungsmöglichkeiten. Künstlich ausgestattete Spielwelten („Indoorhallen“) regen weder die kindliche Phantasie noch die Kreativität an.

Unter Zeitdruck
Oft wird das freie Spiel durch feste Termine zum Fußball, Ballett oder ähnliches ersetzt. Zeitvergessenes Spiel (Flow) ist immer seltener möglich und wird weitgehend auf den virtuellen Raum begrenzt. Bereits 38 Prozent der 8- bis 9-Jährigen und dreiviertel der 10- bis 11-Jährigen besitzen ein Handy/Smartphone. Digitale Medien prägen immer stärker die kindliche Erlebniswelt.

Spielen und Bewegungsbedürfnis
Das Draußenspiel entspricht dem Bewegungsbedürfnis der Kinder, die den größten Bewegungsdrang zwischen 6 und 12 Jahren haben. Diesen Lebensabschnitt verbringen sie vorwiegend sitzend in der Schule oder vor elektronischen Medien. Etwa jedes 5. Kind in Deutschland ist übergewichtig. Über 70 Prozent erfüllen nicht die von der WHO empfohlene Mindestanforderung von täglich einer Stunde mäßiger bis intensiver Bewegung.

Selbstwirksamkeit
Das Spielen in anregungsreichen Umgebungen bietet viele Gelegenheiten, Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen. Besonders die Wahrnehmung des eigenen Körpers spielt für die Kinder eine große Rolle bei der Konstruktion ihres Selbstkonzepts. Neben ihrem Bedürfnis nach viel Bewegung haben Kinder in der mittleren Kindheit auch ein großes Bedürfnis nach Autonomie, das sie häufig nur unzureichend ausleben können.

Recht auf Spiel?
Obwohl von fundamentaler Wichtigkeit, wird das Draußenspiel von Wissenschaft, Politik und Verwaltung kaum berücksichtigt. Das Thema gerät auch kaum in das Blickfeld politischer oder fachlicher Planung. Erforderlich wäre ein kommunales Planungsinstrument. Unter Einbeziehung der Anwohner*innen, natürlich auch der Kinder, könnte ein Quartier kleinteilig untersucht werden, beispielsweise durch eine Begehung. Ziel wäre es, Freiräume für das Spielen zu finden und den Aktionsradius von Kindern zu erweitern.

Draußenspiel in der Ganztagsbetreuung
Eigenständiges Draußenspiel braucht Räume. Dafür müssten die Außenbereiche von Schulen und Kitas bewegungs- und spielfreundlich gestaltet werden. Theoretisch könnten auch Parks, Wiesen, Brachflächen, öffentliche Plätze oder ruhige Straßen genutzt werden. Die Autorin empfiehlt, diese Orte regelmäßig mit den Kindern aufzusuchen. Sie ermutigt Erzieher*innen und Lehrer*innen, ihren Einfluss auf die Eltern zu nutzen, um sie über ausreichende Bewegung und Spiel aufzuklären.




 

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