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Kita Krokophantsie (20.10.2010)

Kita Krokophantsie

Ein Tag ohne Strom

Es ist nur ein Schalter, den Gabriela Pätzold, Leiterin der Kita Krokophantsie, an diesem Morgen des 23. September betätigt. Doch dies erweist sich als kleine Tat mit großen Folgen. Bereits an der Haustür bekommt man sie zu spüren. Zum Beispiel, wenn man davor steht und eintreten möchte. Da Summer und Klingel elektrisch betrieben werden, und es sich bei dem Schalter um keinen anderen als um den Hauptschalter für den Strom handelt, gibt es weder einen Klingelton, noch kann der Summer betrieben werden, der die Tür öffnet. Bricht nun in der Kita das Chaos aus? Weit gefehlt, denn die 45 Kita-Kinder im Alter zwischen eins und sechs sowie die Erzieherinnen und Erzieher sind bestens auf diesen Tag ohne Strom vorbereitet. Selbstgemalte Schilder weisen dem Besucher einen Weg durch den Garten. Folgt man ihnen, gelangt man zur Terrassentür, an der eine Trommel hängt – nebst Aufforderung zu trommeln oder einfach einzutreten. Initiiert wurde der Tag ohne Strom als bundesweiter Wettbewerb des Umweltbildungsprojekts Leuchtpol. Das Ziel ist es, den Forschergeist der Kinder zu wecken und ihnen einen möglichst einfachen Zugang zum komplexen Thema Energie zu ermöglichen.

Seit Wochen haben sich die Krokophantsie-Kinder mit dem Thema „Elektrizität“ befasst. Zunächst fanden sie heraus, woher der Strom in ihrer Kita kommt, dann zählten sie alle Steckdosen und markierten sie mit selbst gemalten roten Blitzen. Sie machten sich mit Hilfe von Büchern schlau und spielten mit Bausteinen, mit denen sie einen Stromkreis bilden konnten. Das besondere Aha-Erlebnis dabei: Die Bausteine leuchteten auf, wenn der Stromkreis geschlossen war. Im Atelier erfanden die Kinder Elektrogeräte und formten sie auch gleich aus Ton. Gabriela Pätzold, die auch als Theaterpädagogin in der Kita tätig ist, führte ein kleines Stromstück auf. Und schließlich bereiteten sich alle Kinder gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und Erziehern auf den Tag X vor, auf den Tag ohne Strom.

5krokophantsie_mahlen.jpgAn diesem Tag, zum Glück ein Sonnentag, brennt in den Räumen kein Licht, trotzdem ist es hell genug. In der Küche wird gearbeitet; die Kinder mahlen mit diversen Handmühlen Kaffeebohnen und Getreidekörner. Sie sind selbst überrascht, wie schnell die kleinen Kaffee- und Mehlhäufchen anwachsen, aber für einen Brot- oder Kuchenteig reicht die Menge noch nicht aus, also weiter. Irgendwelche Küchenmaschinen vermisst hier heute niemand, im Gegenteil. „Eigentlich benutzen wir diese vielen Maschinen doch nur, weil wir Zeit sparen wollen“, sinniert Erzieherin Chris. „Aber von ersparter Zeit spüre ich nicht viel, eher habe ich den Eindruck, dass unser Leben immer hektischer wird.“
 
An diesem Tag ohne Strom ist allen Beteiligten bewusst, dass die Dinge eben ihre Zeit brauchen. Das Kaffeewasser wird über dem Feuer erwärmt, das im Garten brennt. Das hat etwas Abenteuerliches, selbst wenn es vielleicht nicht alltagstauglich ist. Über dem Feuer wird heute auch das Mittagessen gekocht. Viele Kinder helfen begeistert mit, das Feuer in Gang zu halten.

3krokophantsie_kuehlen.jpgAllerdings gibt es auch Speisen, die gekühlt statt erwärmt werden müssen. Was passiert also, wenn der Kühlschrank nicht benutzt werden darf? Bei den Krokophantsies gibt es auch darauf eine Antwort. Alle empfindlichen Lebensmittel lagern kühl und trocken in einem Plastikgefäß, das in die Erde eingegraben ist. Ab und zu öffnet eins der Kinder den Deckel und taucht seine Hand hinein. Na ja, ein bisschen kühler ist es schon darin, als draußen in der warmen Septemberluft. Arbeitsintensiv gestaltet sich der Abwasch ohne Spülmaschine. Um eine Wanne mit (von der Sonne erwärmten!) Wasser scharen sich vor allem Mädchen. Eine Erzieherin schlägt vor, dass später auch einmal die Jungen hier helfen sollten. So geschieht es. Später verspeisen alle gemeinsam ihr Stockbrot am Feuer.
 
6krokophantsie_stockbrot.jpg„Wir sehen den Tag ohne Strom auch als Anregung, um zu sehen, wie andere Kulturen leben“, sagt Gabriela Pätzold. „Schließlich leben nicht alle Menschen in Industrieländern und sind an Stromnetze angeschlossen. Und natürlich hoffen wir, dass es neugierig macht und die Kinder dafür sensibilisiert, wofür wir alles Strom brauchen und wie wir achtsam, also sparsam, damit umgehen können.“ Bis zum 15. Oktober hatten die Erzieherinnen und Erzieher Zeit, ihre Ideen, Erfahrungen und Gedanken aufzuschreiben und an Leuchtpol zu schicken. Eine Jury wird die zehn nachahmenswertesten und eindrucksvollsten Beiträge auswählen. Prämiert werden die Gewinner auf einer Fachtagung, die Leuchtpol in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU) am 2. und 3. Dezember in Potsdam veranstaltet. Wir drücken der Kita Krokophantsie die Daumen!

Kita Krokophantsie
Max-Brauer-Allee 186
22765 Hamburg
www.krokophantsie.de

Fotos: Copyright @ Bernhard Brzeski 
 

 

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