Kita Kurz&Klein (12.01.2009)
Ende Oktober feierte die Kita Kurz & Klein in Hamburg-Altona ein tolle Party. Anlass war der 25-jährige Geburtstag der Kita, die als Elterninitiative gegründet wurde. Damals, im Jahr 1983, hatten sich einige Eltern in der Motte getroffen, um eine Hortgruppe zu gründen. Erste Räume wurden in der Kirchentwiete gefunden. Als der Mietvertrag 1997 auslief, zog die Kita in helle, moderne Räume in die Nöltingstraße. Hier hatte eine Berufsgenossenschaft ursprünglich einen Betriebskindergarten geplant, konnte das Vorhaben aber nicht in die Tat umsetzen. Schließlich wurden die Räume an die Kita Kurz & Klein vermietet. Heike Krohn, die seit 19 Jahren als Erzieherin und Heimleitung in der Kita arbeitet, hatte Lust, im Interview von alten und neuen Zeiten zu erzählen.
Soal: Ursprünglich wart ihr eine reine Horteinrichtung. Welche Betreuungsarten bietet ihr heute an?
Heike Krohn (HK): Seitdem wir unsere Räume in der Nöltingstraße haben, gibt es bei uns zusätzlich zu den Hortkindern auch eine fünfstündige Elementargruppe. Die Kinder essen bei uns auch zu Mittag. Der Vorteil dieser beiden Gruppen, die zu unterschiedlichen Zeiten hier sind, liegt darin, dass sie die Räume und die Erzieherinnen jeweils für sich haben. Mit Ausnahme der Schulferienzeiten, dann sind alle Kinder hier.
Soal: Wie viele Erzieherinnen arbeiten in euren Gruppen?
HK: Zum Glück können wir – für heutige Verhältnisse – eine gute personelle Betreuung bieten. In jeder Gruppe arbeiten jeweils zwei Erzieherinnen. Zusätzliche Unterstützung erhalten wir von Honorarkräften: Eine Musikpädagogin kommt einmal wöchentlich vorbei, ebenso eine Ergotherapeutin. Eine Kollegin ist außerdem auch als Sprachförderkraft in den Gruppen tätig.
Soal: Gibt es denn einen großen Unterschied in der Personalausstattung zu der Zeit vor Einführung des Kita-Gutschein-Systems?
Heike: Auf jeden Fall! Mit unseren Personalstunden konnten wir damals ganz andere Dinge leisten. Zur Verfügung standen uns 100 Personalstunden für 20 Kinder. Das muss man sich einmal vorstellen! Heute sind es 120 Stunden für 45 Kinder. Da es früher noch keine verlässliche Halbtagsschule gab, war auch das Ankommen der Hortkinder gemütlicher, denn sie kamen zu unterschiedlichen Zeiten zu uns. Meistens kamen immer so drei, vier Kinder in den Hort und die wurden dann von drei, vier Erzieherinnen in Empfang genommen. Heute „überfallen“ uns alle Kinder auf einmal.
Soal: Wie wirkte sich dieser – aus heutiger Zeit luxuriöse - Personalschlüssel auf eure pädagogische Arbeit aus?
Heike: Uns war es viel eher möglich, aus der Situation heraus Dinge zu entwickeln, die in dem Moment nötig und sinnvoll waren. Allein dadurch, dass manchmal nur drei, vier Kinder da waren, war ein intensiveres Kennenlernen der Kinder gegeben. Wir konnten mal miteinander Memory spielen oder uns in Ruhe unterhalten. So etwas geht in Kleingruppen einfach besser. Und wir Erzieherinnen kamen wirklich dahinter, was die Kinder bewegt. Wir hatten auch Zeit dafür, jedes Kind zuhause zu besuchen. Da erhältst du natürlich einen ganz anderen Blick auf das Kind. Wenn wir heute Elterngespräche führen, dann liegt meistens ein Problem vor und es ist höchste Zeit, dass wir miteinander reden.
Soal: Eure Kita ist ja eine Elterninitiative. Hat sich die Zusammenarbeit mit Eltern und Vorständen im Laufe der Zeit verändert?
Heike: Die Bereitschaft, ehrenamtliche Zusatzarbeit zu leisten – ein Eckpfeiler im Initiativengedanken – wird weniger, weil viele Dinge nicht mehr so ohne weiteres zu leisten sind. Eltern und Vorstandsmitglieder haben weniger Zeit, doch für das Durchdringen von einigen Zusammenhängen ist häufig Fachwissen erforderlich. Das bedeutet für einen jährlich wechselnden Vorstand schon viel Arbeit.
Soal: Wie sieht es denn bei dir aus? Was ist in deinem Arbeitsbereich anders geworden?
Heike: Im Gutscheinsystem fällt mir auf, dass der Bürokratieaufwand zugenommen hat. Es gibt viele Projekte, die ich mit den Kindern machen möchte, aber es muss zunächst alles dokumentiert und beschrieben werden. Das kostet Zeit, die ich eigentlich gern mit den Kindern verbringen würde. Früher war ich den ganzen Tag in der Gruppe als Erzieherin tätig. Heute muss ich mich stundenweise herausziehen, weil so vieles zu erledigen ist.
Soal: Reden wir mal von den Kindern. Leben sie heute anders als früher?
Heike: Wenn ich mich daran erinnere, was die Kinder früher durften, so gibt es schon große Unterschiede. Die Schulkinder konnten sich selbstständig im Viertel bewegen. Das können wir uns heute nicht mehr vorstellen. Manche Eltern von Drittklässlern möchten gern, dass wir ihre Kinder von der Schule abholen, was wir teilweise auch tun. Ich stelle fest, dass die Eltern sehr viel mehr Ängste haben, das höre ich auch von Freundinnen, die in anderen Kitas arbeiten.
Kinder sind auch fast immer unter der Aufsicht von Erwachsenen, egal ob sie auf dem Spielplatz, Bauspielplatz oder in der Musikschule sind. Wenn wir darüber nachdenken, dass es Kindern schwerer fällt, Regeln einzuhalten, dann hängt das meiner Meinung auch damit zusammen, dass Kinder so selten ihre eigenen Regeln untereinander und miteinander ausmachen können. Wie sollen sie an ihre eigene innere Grenze gelangen, wenn sie von außen – also von Erwachsenen – immer vorher gestoppt werden?
Soal: Trotz der veränderten Bedingungen seid ihr eine engagierte Kita, die sich für verschiedene Projekte interessiert. Welches liegt euch besonders am Herzen?
Heike: Wir haben Kontakt zu einem ehemaligen Schüler, der sein freiwilliges soziales Jahr in Nicaragua in einem Kinder- und Jugendprojekt macht. Er lebt in einem Baumhaus und schreibt uns regelmäßig von seinem Leben dort und sendet uns sogar Fotos. Für solche Dinge mache ich meine Büroarbeit auch mal am Wochenende. Denn es ist mir wichtig, in die Gruppe zu gehen und seine Briefe vorzulesen. Wir schreiben ihm natürlich auch zurück. Das macht uns allen viel Spaß!
Soal: Dabei wünschen wir euch auch weiterhin viel Vergnügen! Vielen Dank für das Interview, Heike!
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