Kita "Spatzennest" (27.09.2011)
Neu bei Soal: Kita „Spatzennest im Valvo-Park“
Auf dem Gelände des historischen und denkmalgeschützten Gewerbeparks „Valvo-Park“ in Langenhorn hat im letzten Herbst die „Kita Spatzennest“ eröffnet. In den großzügigen Räumen können insgesamt 60 Kinder im Alter von 10 Monaten bis zu 6 Jahren betreut werden. Die Gruppengrößen werden hierbei mit maximal 12 Kindern in den Krippengruppen und 24 Kindern in den Elementargruppen bewusst klein gehalten. Aktuell gibt es dort drei Krippen- und eine Elementargruppe. Die Inhaberin Kathrin Möbis und ihre Leitungskollegin Martina Schmitz stellen das „Spatzennest“ im Interview mit Soal vor.
SOAL: Die Kita „Spatzennest“ befindet sich in einem historischen Backsteingebäude. Erzählen Sie uns, wie sich das Erdgeschoss in eine Kita umgewandelt hat.
Kathrin Möbis: Um eine kindgerechte Umgebung für insgesamt 60 Kinder zu schaffen, wurden die im Erdgeschoß liegenden Räumlichkeiten vollständig entkernt und neu gestaltet. Den Kindern steht nun eine Fläche von insgesamt 450 qm² zur Verfügung, und sie haben in ihren lichtdurchfluteten Gruppenräumen mit 5m² pro Kind überdurchschnittlich viel Platz. Zudem können sie verschiedene Ruhe- und Bewegungsräume nutzen, sowie ein Atelier und eine wunderschöne
Badelandschaft, die zum Spielen und Experimentieren mit Wasser und anderen Materialien einlädt.
Soal: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Kita zu eröffnen?
Kathrin Möbis: Während meines Psychologiestudiums habe ich als Erzieherin an einer Schule in einem sozialen Brennpunkt gearbeitet, und dabei schnell erfahren, wie groß die Abweichung zwischen Theorie und Praxis im wahren Leben häufig ist. Mir fällt es schwer, in einem Umfeld zu arbeiten, das mir nicht ausreichend erscheint, um die zukünftig großen Menschen unserer Gesellschaft liebevoll und vorausschauend auf das Leben vorzubereiten. Diese Erfahrung hat mich letztendlich dazu gebracht, an einem sinnvollen und pädagogisch wertvollen Konzept zu arbeiten und dessen Umsetzung selbst in die Hand zu nehmen. Von der Idee bis zur Umsetzung waren dann natürlich noch einige Schritte zu gehen. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Traum seit Oktober 2010 verwirklichen kann.
Soal: Welches sind Ihre pädagogischen Schwerpunkte?
Kathrin Möbis: Im Fokus unseres pädagogischen Konzeptes steht, neben dem Aufbau einer liebevollen Beziehung zwischen den Kindern und den Erzieherinnen und Erziehern, die Förderung von sozialer und emotionaler Kompetenz. Um die Kinder etwa sensibel beim Aufbau ihrer Beziehung zu den Erzieherinnen und Erziehern zu unterstützen, haben wir uns beispielsweise auch für die Anwendung des Berliner Modells als Eingewöhnungskonzept entschieden, das eine sanfte aber etwas länger dauernde Eingewöhnungsphase beinhaltet.
Soal: Sie verleben einen Großteil des Tages mit den Kindern und erleben deren Entwicklung. Wie schaffen Sie es, die Eltern an diesem Erlebnis teilhaben zu lassen?
Kathrin Möbis: Wenn ein Krippenkind zu uns kommt, findet häufig die erste Trennung der Eltern vom Kind statt. Das Trennungsgefühl wird häufig noch dadurch verstärkt, dass die Eltern nicht wissen, wie der Tag ihrer Kinder verlaufen ist, da die Kinder sich noch nicht vollständig mitteilen können. Deshalb sind die Eltern darauf angewiesen, dieses im täglichen Austausch von den Erziehern / Erzieherinnen zu erfahren. Wir finden diesen intensiven Austausch sehr wichtig, und natürlich ist er auch Bestandteil unserer Schwerpunkte, denn insbesondere die Förderung der Beziehungen zwischen Kind, Eltern und Erziehern/Erzieherinnen steht im Mittelpunkt unserer Handlungen.
Martina Schmitz: Wenn die Eltern z.B. wissen, welche Lieder gesungen oder welche Spiele gespielt werden oder was das Kind erlebt, welche Erfahrungen oder Fortschritte es macht, können die Eltern daran teilhaben. Wir legen Wert auf die die so genannten „Tür-und-Angel–Gespräche“ beim Bringen oder Abholen der Kinder. Darüber hinaus hat jede Gruppe eine eigene Whiteboardtafel mit einem Wochenplan, der die Eltern über das regelmäßig wechselnde geplante Programm aktuell und detailliert informiert und z.B. darauf hinweist, dass die Liedtexte zum gemeinsamen Singen zu Hause gern als Kopie zur Verfügung gestellt werden.
Soal: Sie betreuen zukünftig insgesamt 60 Kinder. Wie stellen Sie sicher, dass Sie deren Entwicklung auch langfristig und individuell erfolgreich fördern können?
Martina Schmitz: Hierzu sind aus unserer Sicht drei Dinge von besonderer Bedeutung: Ausreichend Personal, eine entsprechende Dokumentation sowie regelmäßige Entwicklungsgespräche mit den Eltern. Neben der laufenden Aufnahme von Eindrücken nehmen sich alle Erzieher / Erzieherinnen regelmäßig Zeit für die Einschätzung des individuellen Entwicklungsstandes eines jeden Kindes. Die Analyse der Entwicklung erfolgt hierbei auf Basis der Entwicklungsdokumentation von Beller und Beller.
Das Besondere an dieser Methode ist, dass hierbei der Entwicklungsstand eines Kindes nicht nach Alter, sondern nach bestimmten Lebensphasen erfolgt. Dies erlaubt eine viel individuellere Beurteilung und das Ableiten entsprechender Maßnahmenvorschläge. Die Ergebnisse der Beobachtung werden mit Hilfe der Portfolio-Methode schriftlich in ein persönliches Entwicklungsbuch des Kindes dokumentiert, in dem z.B. auch nachzulesen ist, welche Wörter zuerst gesprochen oder wann die ersten Schritte gemacht wurden. Selbstverständlich können die Eltern hier jederzeit Einblick in das Entwicklungsbuch ihres Kindes nehmen und natürlich bekommt jedes Kind sein Buch zur Erinnerung mit, wenn es unsere Kita verlässt. Diese Dokumentation ist gleichzeitig die Basis für regelmäßige und individuell geführte Elterngespräche.
Soal: Was macht die Arbeit mit den Krippenkindern für Sie so besonders?
Kathrin Möbis: Das Krippenalter ist die Phase, die das ganze Leben beeinflusst. Gerade in dieser ersten Lebensphase bildet sich die Persönlichkeit eines jeden Menschen. Wer hier Liebe, Selbstvertrauen, Glück empfindet und Halt und Sicherheit spürt, startet gut ins Leben. Wir möchten mithelfen, diese Grundsteine der Persönlichkeit zu bilden und den weiteren Lebensweg zu ebnen. Und wir finden, dass dies eine unbeschreiblich bewegende und dankbare Aufgabe ist.
Soal: Der Wechsel der Kinder aus der gewohnten Krippengruppe in die Elementargruppe ist ein neuer Lebensabschnitt für die Kinder. Wie unterstützen Sie die Kinder dabei?
Kathrin Möbis: Wir sind sehr glücklich darüber, all unsere Krippenkinder weiter betreuen zu können, wenn diese größer werden. Dies ist nicht nur für die Eltern sehr angenehm, weil nicht wieder eine neue Kita gesucht werden muss, sondern es ist vor allem für die Kinder wichtig, da sich ihre Freundschaften und Beziehungen weiterentwickeln können. Um den Übergang der Kinder von der Krippengruppe in die Elementargruppe zu erleichtern, fangen wir dabei schon früh an gruppenübergreifend miteinander zu spielen. Hierdurch wird die Scheu der „Kleinen“ vor den „Großen“ abgebaut und die „neuen“ Kinder schnell in bestehende Elementargruppen integriert.
Soal: Vor der Kita ist viel Grün, haben Sie die Möglichkeit es zu nutzen?
Martina Schmitz: Es gibt bei uns keinen Tag, an dem wir nicht rausgehen! Für Erlebnisse im Grünen haben wir dabei reichlich Möglichkeiten. Hierzu gehören neben unserer eigene Außenfläche mit Spielhaus und Tobemöglichkeit, die Parkflächen der Anlage des „Valvo Parks“ inkl. des eingezäunten Ententeichs aber z.B. auch Besuche auf dem nahegelegenen Abenteuerspielplatz, die regelmäßig als Punkt auf unserem Tagesplan stehen.
Kathrin Möbis: Ja, und zukünftig wird auf unseren Außenflächen noch ein Gemüsegarten entstehen, in dem die Kinder selber pflanzen und hoffentlich dann auch ernten können. Darüber hinaus hätten wir auch gern ein kleines Tiergehege, damit sich jede Gruppe um ein Tier kümmern kann.
Soal: Haben Sie schon Visionen, wie sich die Kita Spatzennest weiter entwickeln könnte?
Kathrin Möbis: Mein eigentlicher Traum ist es eine Art „Kinderhaus“ zu führen, in dem alles was ein Kind braucht an einem Ort vorhanden ist. Hierzu kann z.B. eine Logopäde, ein Kinderarzt, das Angebot von musikalischer Früherziehung oder Kinderturnen gehören.
Darüber hinaus möchte ich mich stärker selber in der Erziehungsberatung betätigen. Ich denke, besonders für berufstätige Eltern wäre die Einrichtung eines Kinderhauses eine sehr große Erleichterung, um alle Anforderungen schnell und konzentriert an einem Ort erledigen zu können. Dadurch können die Eltern viel Ihrer wertvollen Zeit sparen und diese nutzen um mehr Freizeit mit ihren Kindern zu verbringen. Damit schließt sich dann der Kreis zu unseren pädagogischen Schwerpunkten, der Förderungen von sozialer und emotionaler Kompetenz.
Martina Schmitz: Einen kleinen Schritt in diese Richtung gehen wir gerade: In Zukunft werden wir eine musikalische Frühförderung als Zusatzangebot anbieten. Im Rahmen des Programms werden die Kinder ganz ohne Leistungsdruck die Möglichkeit haben, zusammen mit einem externen Musiklehrer noch andere Instrumente kennenzulernen und Musik zu erleben.
Soal: Kurz mal gerechnet: Sie haben aktuell 25 Krippenkinder und 15 Elementarkinder bei 60 Kindergartenplätzen gesamt – wollen aber jedem Krippenkind den Wechsel in die Elementargruppe ermöglichen. Wie geht das?
Kathrin Möbis: Aktuell haben wir ja noch nicht alle unsere Plätze vergeben und freuen uns über weitere Anmeldungen. Die Warteliste füllt sich allerdings schnell, da Kita Plätze in Hamburg ja insgesamt noch nicht flächendeckend ausreichend vorhanden sind. Deswegen sind wir bereits von Beginn an mit dem Vermieter im Gespräch darüber, unsere Räumlichkeiten bei Bedarf zu erweitern.
Soal: Viel Erfolg bei allem! Und danke für das Interview!
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