Pressemeldung (19.01.2011)
Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen: Kita-Verbände kritisieren Unterfinanzierung und Ungleichbehandlung
Die Hamburger Kita-Verbände kritisieren entschieden, dass zum nächsten Schuljahr mindestens
15 weitere Schulen mit ganztätiger Bildung und Betreuung ohne zu Ende verhandelten
Landesrahmenvertrag an den Start gehen sollen. Dieses einseitige Vorgehen der
Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) widerspricht vorherigen Vereinbarungen und
stellt die Kooperationspartner der Pilotstandorte vor unzureichende finanzielle Rahmenbedingungen, um qualitativ gute Bildungsarbeit leisten zu können.
„Bereits an den bisherigen Pilotschulen hat sich gezeigt, dass die Ausgestaltung der ganztägigen
Bildung und Betreuung unterfinanziert ist. Alle Kooperationspartner gehen an den Modellstandorten ein hohes wirtschaftliches Risiko ein. Unter diesen Rahmenbedingungen raten wir unseren Trägern davon ab!“ sagt Gabi Brasch, Vorsitzende Fachausschuss Kinder- und Jugendhilfe Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (AGFW).
Die Betreuung der Kinder in den Randzeiten vor 8 und nach 16 Uhr sowie in den Ferienzeiten ist
personell nicht ausreichend ausgestattet. Die Finanzierung der Zeiten für Vorbereitung, Absprachen zur Kooperation mit Schule und Lehrern, Elterngespräche sowie der Ausfallzeiten für Urlaub und Krankheit ist bisher nicht bzw. nicht ausreichend geregelt. Die Verbände machen deutlich, dass die damit einhergehende unzureichende personelle Ausstattung zulasten der Qualität und damit zulasten der Kinder geht.
Ebenfalls nicht geregelt ist die auskömmliche Finanzierung des Mittagessens. Bisher sind nur 3,50
Euro pro Kind und Essen vorgesehen. Nicht berücksichtigt werden die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten rund um die Essenversorgung (bspw. für das Abräumen und Abwaschen des Geschirrs).
Die Verbände raten ihren Trägern, bei unveränderten Rahmenbedingungen nicht in die Pilotphase einzutreten. Sie stellen das Gesamtprojekt „Ganztagsbetreuung“ unter diesen Voraussetzungen stark in Frage und fordern die Politik auf, nach den Wahlen für ausreichende Rahmenbedingungen und für eine gute Qualität der Bildung und Betreuung am Nachmittag an den offenen Ganztagsschulen zu sorgen.
Mit den Pilotstandorten wird zudem eine Ungleichbehandlung im Vorschulbereich eingeleitet.
Die kostenlose ganztägige Betreuung der Vorschulkinder in der Schule schafft eine massive Ungleichbehandlung gegenüber Eltern, die sich für die Bildung und Betreuung ihrer Fünfjährigen am Ort Kita entscheiden. Hier müssen sie für die Nachmittagsbetreuung zahlen. Eine derartige Ungleichbehandlung der Eltern wird seitens der Kita-Verbände strikt abgelehnt. „Entweder ist die ganztägige Betreuung der Fünfjährigen für alle kostenlos oder für alle kostenpflichtig“, so Gabi Brasch.
Ansprechpartner für Rückfragen:
· Gabi Brasch, Vorstand Diakonisches Werk Hamburg und
Vorsitzende Fachausschuss Kinder- und Jugendhilfe AGFW, 30620-265
· Martin Peters, Referent Paritätischer Wohlfahrtsverband, 0172 4181986
· Elimar Sturmhoebel, Referent SOAL, 432584-11
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