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Schattentheater (17.07.2017)

Schattentheater

Zauberhafte Schattenwelten

Schattentheater gilt als besonders phantasievolles und wirkungsvolles Mittel, um mit Kindern kreativ zu arbeiten. Im Interview berichtet die Fortbildnerin und Schauspielerin Maila Giesder–Pempelforth* über Inhalte und Hintergründe des Seminars „Zauberhafte Schattentheater“, das sie am 25. und 26. September 2017 im SOAL Bildungsforum geben wird.

Wie haben Sie das Schattentheater für sich entdeckt?

Ich habe sehr viele Jahre Schultheater gemacht und bin irgendwann angefragt worden, ob ich es nicht mal in der Kita ausprobieren könnte. Im Unterschied zu den Schulkindern ist es für Kitakinder allerdings oft schwierig, Texte szenisch umzusetzen. Das Schattentheater bietet da eine andere Möglichkeit. Ich habe es kennengelernt, als ich in Chemnitz durch die Reggio Pädagogik damit in Kontakt gekommen bin. Als ich es ausprobierte, stellte ich fest, dass die Kinder sofort mit dem eigenen Körper spielten. Sonst ist es beim Theaterspielen oft so, dass sie sich nur auf den Spielpartner konzentrieren und sich in Gespräche flüchten. Doch dabei verschenkt man leider viel von den eigenen Ausdrucksmöglichkeiten. Beim Schattentheater ist das grundlegend anders. Es entsteht eine geheimnisvolle Atmosphäre mit fantasievollen Bildern. Und es lädt zum Ausprobieren ein: Was passiert, wenn ich näher an die Leinwand herangehe und mich dann wieder entferne? Werfe ich gleich mehrere Schatten, wenn ich mehr als nur eine Lichtquelle habe? Welche Geschöpfe entstehen, wenn wir uns mit mehreren vor der Leinwand bewegen? Das sind einige der Fragen, die schnell auftauchen und erforscht werden wollen.

Was begeistert Sie am Schattentheater, was ist das Besondere daran?

Das Schattentheater entführt in eine andere Welt, in die man sich fallenlassen kann. Dabei geht es weg vom Text, und wir kommen zu einer bildhaften und ausdrucksstarken Sprache. Das macht für mich den besonderen Reiz aus. Obwohl der Zuschauer jedes einzelne Haar auf der Leinwand sieht, fühlen sich die Darsteller*innen oft völlig geschützt und unbeobachtet. Die Ästhetik des Schattentheaters verzaubert die Darsteller*innen und öffnet jegliche Fantasietür in den Köpfen. Außerdem geschieht beim Schattentheater eine Reduzierung. Alles ist nur noch zweidimensional, das ist für uns sehr ungewohnt. Sonst ist vieles überfrachtet, wenn man zum Beispiel an den Film denkt, der womöglich noch mit Musik hinterlegt ist. Beim Schattentheater wirkt alles wie zurückgeworfen auf das Wesentliche und Ursprüngliche. Im Übrigen gibt es für mich als Schauspielerin nichts Schöneres, als die Begeisterung für die Bühne zu teilen.

Was braucht man, um mit Licht und Schatten zu spielen?

Eigentlich braucht man nur viel Platz, den braucht man ja ohnehin für das Theaterspiel. Die Lichtquelle muss weit weg genug stehen, damit sie eine große Fläche ausleuchten kann. Als Leinwand kann ganz klassisch ein weißes Bettlaken dienen, das an einer Wäscheleine befestigt ist. Ich habe neulich mit Malerfolie gearbeitet, das gibt noch mal einen besonderen Effekt. Man kann aber auch mit Papier oder Pappe arbeiten oder mit Raufasertapete. Wer ganz sicher gehen will, kann mit einem Theater kooperieren und sich mit dessen Hilfe eine feuerfeste Leinwand organisieren.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Schattentheater gesammelt?

Die Kinder reagieren unterschiedlich auf das Schattentheater. Da gibt es die Kinder, die anfangs nur vor der Leinwand sitzen, zuschauen und Eindrücke aufsagen. Sie müssen sich erst mit dem Inhalt auseinandersetzen und sich langsam herantasten. Allmählich probieren sie dann einige Sachen aus, die sie gesehen haben. Das Schattentheater eignet sich besonders gut, um diese Impulse zu setzen, die dann umgesetzt werden können. Die schwarz-weiße klare Form begünstigt dies und macht es den Kindern das Ausprobieren leicht.
Andere Kinder probieren ganz wild darauf los und experimentieren mit Tüchern, Seifenblasen und vielen anderen Materialien. Dabei hat das Schattentheater etwas Entschleunigendes, denn je mehr Chaos ich schaffe, desto weniger Bilder kann ich produzieren.

Haben Sie das Schattentheater auch mit Schulkindern ausprobiert?

Eigentlich war es gar nicht meine Intention, aber dann bin ich immer wieder in siebte und achte Klassen eingeladen worden, um zu erforschen wie Licht funktioniert. Mit dem Schattentheater konnte ich ganz pragmatisch naturwissenschaftliche Aspekte verdeutlichen und sie auf kreative und künstlerische Art vermitteln. Wir haben untersucht, wie das Licht gebrochen wird oder was passiert, wenn Linsen in unterschiedlichen Abständen gehalten werden. So konnten auch Schüler*innen einen Zugang zu naturwissenschaftlichen Aspekten bekommen, die sonst keine Physikasse sind.

Was erwartet die Teilnehmenden in ihrem Seminar?


Als Warm up probieren wir nonverbale theaterpädagogische Spiele aus, die mit und ohne Leinwand funktionieren. Die Pädagog*innen erhalten dazu auch viele Arbeitsmaterialien von mir. Dann schlüpfen sie selbst in die unterschiedlichen Rollen. Ich werde ihnen ein Handwerkszeug mitgeben, das ihnen in verschiedenen Stufen vermittelt, wie Effekte entstehen können. Daneben werden wir uns auch den physikalischen Aspekten des Schattentheaters widmen. Wir werden alleine und in Gruppen arbeiten. Ich werde inhaltliche Impulse für kleine Szenen geben und wir werden die Grundbausteine der Schauspielkunst nutzen, um sie mit eigenen kreativen Ideen zu füllen und das Schattentheater damit zu bereichern.

Viel Spaß beim Seminar und vielen Dank für das Interview!

Informationen und Anmeldemöglichkeiten für das Seminar „Zauberhafte Schattenwelten“ gibt es hier


*Maila Giesder-Pempelforth ist Diplom-Schauspielerin (Max Reinhardt Seminar Wien), Dozentin für Schattentheater, Schauspiel, Sprecherziehung und Sprachgestaltung
 

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