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SOAL PM_02.10.20 (02.10.2020)

Kitastreik: Verzerrte öffentliche Wahrnehmung

Wir sind irritiert über die Weise, wie auf Kitaschließungen im Zuge des Verdi-GEW-Warnstreiks öffentlich reagiert wird. Nach den „Corona-Schließungen“ könne man „nicht schon wieder“ die Kita-Betreuung ausfallen lassen. Die Erzieher*innen hätten lange genug „nichts getan“. Diesem Unsinn möchten wir im Namen der Kitas bei SOAL e. V. entschieden entgegentreten.

SOAL möchte an einige Tatsachen erinnern, die gerne vergessen werden:
 

  • Durch behördliche Anordnung mussten Kitas von einem Tag auf den anderen in den Notbetrieb gehen. Das haben sich keine Kita und kein Erzieher ausgedacht. Macht also nicht die Kitas für behördliche Entscheidungen verantwortlich!
     
  • Notbetrieb heißt mitnichten, dass Kita Mitarbeiter*innen NICHTS getan haben. Sie konnten nur nicht für alle Familien die gewohnte Betreuung leisten. Dafür haben sie enorm viel auf die Beine gestellt: Sie haben alternative Begegnungsmöglichkeiten organisiert, um Kontakt zu den Kitakindern und ihren Familien zu halten, Eltern beraten, die Digitalisierung vorangetrieben, neue Hygienekonzepte entwickelt und dafür gesorgt, dass die Kinder mit besonderen sozialen oder pädagogischen Bedarfen wieder in die Einrichtung kamen.
     
  •  Wegen der Hygienevorschriften mussten viele Kitas ihre Konzepte komplett umstellen. Räume und Gruppen mussten neu eingerichtet werden. Übersetzt für Leute, die nicht in der Pädagogik arbeiten: Der Arbeitsaufwand war so, als würde von E-Mail zurück auf Postversand umgestellt. Es brauchte wesentlich mehr Leute, um die gleiche Arbeit zu erledigen. Das war und ist eine erhebliche Mehrbelastung und kein „Nichtstun“ wie es so oft kolportiert wird.
     
  • Die Kitas haben die offizielle, unklare Sprachregelung zur Notbetreuung in die Praxis umsetzen müssen. Die Leitungen und Erzieher*innen waren hier auf sich gestellt und mussten unzählige Diskussionen zur „Systemrelevanz“ von elterlichen Berufen führen. Hier hätten wir uns an manchen Stellen deutlich mehr Verständnis und Einsicht gewünscht.
  • Die Durchsetzung der Einschränkungen in der Betreuung hat letztlich dazu geführt, dass das Pandemiegeschehen eingedämmt werden konnte. Das war politisch so gewollt. Deshalb finden wir, dass die Kitas dafür Dank statt Kritik verdient haben!
  • Spätestens mit der Einführung des eingeschränkten Regelbetriebes im Mai waren schließlich wieder alle Kitas am Netz, haben versucht alle Familien zu bedienen und bei Bedarf mit Mittagessen / Lebensmitteln zu versorgen. Es wurde in Schichten gearbeitet, individuell betreut. Fachkräfte, die selbst Kinder haben, mussten zwischen der Mehrbelastung im Beruf und der Betreuung und Beschulung der eigenen Kinder jonglieren.
     
  • In den Schulen haben die Erzieher*innen die Notbetreuung geleistet, z.T. während der offiziellen Schulzeiten, weil nicht genug Lehrer*innen verfügbar waren. Uns ist keine Schule bekannt, die dafür, dass die Erzieher*innen den Job der Lehrer*innen gemacht haben, ein entsprechendes Gehalt angeboten hat. Ein (finanzielles) Dankeschön wäre schon hilfreich gewesen.
     
  • Wir können es nicht mehr hören, dass die Kitas von der Sozialbehörde „auf Händen durch die Krise getragen wurden“. Es ist umgekehrt: Die Kitas mit ihren Beschäftigten, ganz überwiegend Frauen, tragen das Kitasystem auf ihrem Rücken durch die Krise! Die Erzieher*innen in arbeiten ohne Abstand und ohne Masken mit den Kindern. Sie haben keine Möglichkeit, sich im Kita-und GBS Alltag zu schützen. Das tun sie um der Kinder willen. Und dafür haben sie eine anständige Bezahlung verdient! Und dafür müssen sie natürlich auch streiken dürfen – ohne öffentliche Schelte, egal von welcher Seite!

SOAL Pressemitteilung vom 2.10.20 als pdf

 

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