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SOAL PM 17.2.17 (17.02.2017)

Senator Rabe feiert Lehrerengagement gegen Schüler*innen!

Laut gestriger Pressemitteilung der Bildungsbehörde (BSB) freut sich Bildungssenator Rabe über das Engagement der Hamburger Lehrer „gegen Schulschwänzer“[1].

Die Originalüberschrift der Pressemeldung der BSB lautet: „Hamburgs Lehrkräfte engagieren sich gegen Schulschwänzer.“ „Diese Formulierung zeichnet ein unsägliches Bild von Kindern als Straftätern und ist ein Schlag ins Gesicht für viele engagierte Pädagog*innen und Eltern.“, so Sabine Kümmerle, Geschäftsführerin des alternativen Wohlfahrtsverbandes SOAL e.V.

Auf der einen Seite wird mit größtem politischen Engagement der Kinderschutz, die Umsetzung der Kinderrechte (UN-Kinderrechtskonvention) und die Weiterentwicklung der Qualität von Bildung und pädagogischer Betreuung im Ganztag betrieben. Auf der anderen Seite scheinen Teile des Hamburger Senats nach wie vor Maßnahmen wie Druck, Bestrafen, Bußgelder und selbst Freiheitsentzug, für angemessene Mittel gegenüber Kindern und Jugendlichen zu halten.

Das hat Methode: Bereits im August 2012 berichtete die taz, dass Hamburg immer härter gegen Schulverweigerer*innen vorgehe. Unter SPD-Schulsenator Ties Rabe sei die Zahl der Bußgeldbescheide auf „Rekordniveau“ gestiegen, nämlich auf 800 Bescheide im Jahr 2011. Nun kann sich der Senat 2016 schon über 1.098 Bescheide freuen. Läuft da nicht grundsätzlich etwas schief? SOAL e. V. fordert die Hamburgische Bürgerschaft auf, diese repressiven Maßnahmen zu beenden und stattdessen auf funktionierende Unterstützungssysteme zurückzugreifen und die Ursachen für Schulverweigerung anzugehen.

Denn: Weder die Justizbehörde noch die Schulbehörde können auf fundierte Evaluationen verweisen, die den Sinn und eine positive Wirkung dieser Zwangsmaßnahmen belegen können. Hingegen ist es hinreichend bekannt, dass die Gründe für Schulschwänzen vielfältig und höchst unterschiedlich sind. Sie können aus einer Problemlage der Betroffenen selbst herrühren ( Lerndefizite, Aufmerksamkeitsstörungen, mangelndes Selbstbewusstsein, ein aus dem Gleichgewicht geratenes Sozialverhalten, traumatische Erlebnisse durch Gewalterfahrungen usw.), sie können durch Problemlagen in der Schule herrühren ( Ausgrenzung, Mobbing, regelmäßige Versagenserfahrungen, grenzverletzendes Verhalten und Beschämung durch Lehrkräfte oder andere Erwachsene) und ebenso können die Ursachen in der Familie oder dem sozialen Umfeld liegen.  Keine der vorgenannten Ursachen wird auch nur im Ansatz durch Zwangsmaßnahmen oder gar Freiheitsentzug verbessert!

Eine Alternative, nämlich ein Hilfesystem für Kinder und Jugendliche, besteht längst. Das deutsche Rechtssystem sieht diese durch das Sozialgesetzbuch VIII ausdrücklich vor. Dieses formuliert in § 1 das Ziel, dass „jeder junge Mensch ( ) ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit (hat).“ „Jugendhilfe soll zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen, Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen, dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.“ Diese bundesgesetzliche Aufgabe ist bei der Schulbehörde offenbar aus dem Blick geraten.

„Wir nehmen nicht hin, dass Schule mit solchen Äußerungen und Haltungen zu einem unzeitgemäßen Raum der Machtausübung stilisiert wird! Eine derart veraltete Pädagogik, die auf Bestrafung setzt, gehört der Vergangenheit an! Die UN-Kinderrechte werden nicht durch schöne Flyer sondern durch konkrete Haltungen und das tagtägliche Handeln der Pädagogen umgesetzt,“ sagt Elimar Sturmhoebel, Jugendhilfereferent bei SOAL und ist sich mit vielen Ganztagspädagog*innen aus Vor- und Nachmittag an den Hamburger Schulen einig. Da, wo Kinder und Familien Hilfe benötigen, muss die Zusammenarbeit mit der Kinder und Jugendhilfe ausgebaut werden. Jeder Euro der hier investiert wird, ist nachhaltiger als jede Zwangsmaßnahme gegen Kinder und Jugendliche!
 

SOAL Pressemitteilung vom 17.02.2017

1 http:www.hamburg.de/presssearchiv-fhh/8186940/2017-02-bsb-schulschwaenzer/

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