SOAL-Pressemeldung (20.04.2011)
Abschaffung des letzten Kita-Jahres? Grundschulen wollen bereits vierjährige Kann-Kinder in ihren Vorschulklassen haben
Vorschulplätze für alle Kinder, die sich für die Vorschule angemeldet haben, hatte Schulsenator
Ties Rabe vor kurzem versprochen. Wo kein Platz für die Vorschulkinder ist, sollen eben
Container aufgestellt werden. Eltern und Kita-Anbieterverbände hatten dieses einseitige
Vorgehen scharf kritisiert. Unter anderem weil sie eine Abschaffung des letzten Kita-Jahres
zugunsten des Vorschulausbaus vermuteten.
Jetzt bestätigen sich diese Befürchtungen. Grundschulen betreiben eine aktive Abwerbung.
SOAL liegt das Schreiben einer Schule an die Eltern eines vierjährigen Kindes vor. Die Schule
wirbt darin intensiv um die vorzeitige Einschulung des Kindes in die Vorschule noch in diesem
Sommer und eröffnet dafür eine neue Anmelderunde! Hintergrund: Die Schule habe
noch eine geringe Anzahl von Vorschulplätzen frei. Das Kind wäre ein Kann-Kind für die Einschulung im Jahr 2012 und zum Zeitpunkt der Aufnahme in die VSK 4 ¾ Jahre alt. Die Eltern
sollen sich in jedem Fall melden, auch im Falle einer Absage. Sind die Vierjährigen nun das
neue Zielobjekt der Hamburger Schulpolitik?
Diese neue, aggressive Vorschulpolitik ist unverantwortlich und bildungspolitisch kurzsichtig.
Scheibchenweise wird hier eine Reform des Hamburger Bildungssystems durch die Hintertür
eingeführt. Und das ohne mit den Beteiligten zu sprechen, wie die SPD vor der Wahl angekündigt
hatte. Es zeichnet sich eine klare Zentrierung auf das System Schule ab. Damit verbunden
ist ein Fokussieren auf schulische Wissensvermittlung und schulische Methodik. „Mit
einem weitsichtigen Bildungskonzept hat das nichts zu tun“, so Sabine Kümmerle, Geschäftsführerin von SOAL, „diese einseitige Vorschulpolitik blendet völlig aus, dass Hamburg in den Kitas ein hervorragendes Bildungssystem für Kinder im Vorschulalter hat. Es wird höchste
Zeit, dass der Senat ein schlüssiges Bildungskonzept entwirft, das die Bildungsprozesse der
Kinder von Anfang an in den Blick nimmt und sich von der überkommenen Denkweise verabschiedet, dass Bildung in der Schule beginnt.“
Es zeugt auch nicht von einer koordinierten Haushaltspolitik, wenn auf der einen Seite Steuergelder in den Aus- und Umbau von Schulen fließen und auf der anderen Seite durch aktives Abwerben der Kinder Investitionsruinen im Kitabereich geschaffen werden. SOAL fordert die Bildungsbehörde auf, diesem Vorgehen sofort einen Riegel vorzuschieben und mit allen Beteiligten ein tragfähiges Angebot für das letzte Jahr vor der Schule und gelungene Übergänge zu erarbeiten.
Hintergründe: Hamburg ist das einzige Bundesland, das an der Vorschule festhält. Eine fachliche Begründung gibt es nicht. Studien zeigen, dass es so gut wie keine Unterschiede gibt zwischen Kindern, die die Vorschule besuchen und Kindern, die ihr letztes Jahr vor der Schule in der Kita gefördert werden. Berechnungen des schwarz-grünen Senates, die Vorschule sei
günstiger, haben sich als Luftnummer erwiesen. Man hatte vergessen, Ferienzeiten und Anschlussbetreuung bei der Schule zu berücksichtigen. Angesichts der wachsenden Zahl von Vorschulanmeldungen in den letzten Jahren zeigt sich, wie sehr das doppelte Hamburger System gekoppelt mit dem Druck der Schulen die Eltern verunsichert.
Rückfragen richten Sie bitte an:
Sabine Kümmerle Tel.: 040 – 432 584 – 14, info at soal dot de, Große Bergstraße 154, 22767 Hamburg
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