SOAL zur Primarschule (02.06.2010)
SOAL Position zur Primarschule
Der Alternative Wohlfahrtsverband sozial & alternativ SOAL e. V. unterstützt die Idee des längeren gemeinsamen Lernens. Die Einführung der –immerhin- sechsjährigen Primarschule, die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems mit seiner frühen Selektion und die Umsetzung innovativer Lern- und Unterrichtskonzepte sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einem (kind-)gerechten Bildungssystem. Das längere gemeinsame Lernen legt die Entscheidung über den zukünftigen Bildungsweg eines Kindes auf einen Zeitpunkt, an dem Interessen und Kompetenzen sowohl von der Schule als auch vom Kind selbst besser eingeschätzt werden können. Die neuen Lern- und Unterrichtsformen stellen die Kinder mit ihren individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt und erhöhen so die Bildungschancen aller Kinder. Die Absenkung der Klassenfrequenzen und die Abschaffung des Büchergeldes sind weitere positive Elemente der Hamburger Schulreform. SOAL bewertet deshalb die Einführung der Primarschule als einen Schritt in die richtige Richtung.
Zur Schaffung eines nachhaltigen Bildungssystems für alle Kinder sind allerdings weitere Schritte unabdingbar. Dazu gehört vor allem die ganzheitlich Betrachtung und qualitative Förderung aller Bildungsbereiche von der Krippe bis in die Stadtteilschule. Schulische Bildung, Bildung der frühen Kindheit und außerschulische Bildungs-und Betreuungsangebote dürfen nicht miteinander in Konkurrenz stehen sondern müssen gleichberechtigt gefördert werden. Die Hamburger Politik vermittelt derzeit einen anderen Eindruck. Während für eine möglichst schnelle Umsetzung der Schulreform zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, stellt der Hamburger Senat die frühe Bildung durch die Verschiebung des Rechtsanspruches für Zweijährige hinten an und verteuert die Bildungseinrichtung Kita für viele Eltern. Gleichzeitig sind für den Bereich der zukünftigen schulischen Bildung und Betreuung von Schulkindern am Nachmittag (geplant ab 2013) massive Standardverschlechterungen angekündigt.
Vor diesem Hintergrund stellen viele Eltern und ErzieherInnen die Zustimmung zur Primarschule in Frage, obwohl sie inhaltlich von dem Konzept überzeugt sind.
Im Sinne einer nachhaltigen Bildungspolitik mit Weitsicht votiert SOAL dennoch für ein „JA“ zur Primarschule. Hamburg braucht ein längeres gemeinsames Lernen. Dazu gehört die Bereitschaft zur Veränderung für Schulbehörde, Schule und Jugendhilfe, sich tatsächlich auf eine neue, gemeinsam entwickelte Qualität eines ganztägigen Bildungs-Ortes für Kinder einzulassen. Kurz – ein Bildungssystem, das vom Kind ausgeht.
Daher fordert SOAL den Senat auf,
- Bildungspolitik mit Weitsicht zu betreiben und auch die Qualität der Bildungseinrichtungen Kita und Krippe durch eine Standardverbesserung zu fördern
- den zukünftigen Ganztag an Primarschulen mit der notwendigen Qualität hinsichtlich des Personals, der Räume und Sachmittel auszustatten
- allen Kindern unabhängig von der wirtschaftlichen und beruflichen Situation ihrer Eltern Zugang zu Bildung von Anfang an zu ermöglichen
- die Übergänge zwischen den verschiedenen Bildungssystemen gemeinsam mit den Akteuren zugunsten der Kinder besser zu gestalten
Fragen hierzu richten Sie bitte an:
Elimar Sturmhoebel, Öffentlichkeitsreferent des Alternativen Wohlfahrtsverbandes SOAL,
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