Spekulationen (12.08.2011)
Hamburgs Politik muss aktiv werden: Schluss mit den mörderischen Spekulationen auf Agrarrohstoffen - Spekulation mit Agrarrohstoffen ist eine Form des Völkermordes
„Als privater Anleger sollte man sich zweimal überlegen, ob man durch seine Investitionen den Hunger in der Welt verstärken will. Die Investoren sorgen für eine zusätzliche Nachfrage nach Rohstoffen, wollen diese aber gar nicht nutzen, sondern nur von den Preissteigerungen profitieren“ (Lothar Koch, Spektrum Finanzberatung – PT s.o.)
„Satte Gewinne auf Kosten der Hungernden“ (Pinneberger Tageblatt, 28.07.11, Seite 27, u.a.). Die sich derzeit in Süd-Afrika abspielende Hungerskatastrophe ist nur zum Teil auf den fehlenden Regen zurückzuführen. Die Menschen können sich kaum etwas zu essen kaufen, weil mit Agrarrohstoffen weltweit kräftig spekuliert wird: Die Kontingente von Mais, Weizen, Reis oder Soja werden schon weit vor der Ernte von Investoren aufgekauft, die sich dann „exzellenter“ Gewinne erfreuen dürfen. Spekuliert wird mit Zertifikaten und speziellen börsennotierten Indexfonds (ETCs) in Agrarrohstoffe.
Die Deutsche Bank mit dem „Agriculture Euro Fonds“, oder die Internetplattform „Fonds: Tipps und Meinungen“ (10.04.11): „Die Zahlen sind eindeutig, seit 2009 steigen die Preise für Agrarstoffe. Durch den Anstieg der Preise für Agrarrohstoffe steigt natürlich auch die Angebotspalette an Investmentfonds für dieses Marktsegment. So können Sie beispielsweise Indexfond nutzen, die einen einfachen Einstieg in unterschiedliche Agrarrohstoffe bieten. Ein Beispiel ist der MARKET ACCESS RICI-A INDEX FUND (WKN: A0MMBJ), der gleich in 21 verschiedene Rohstoffe investiert und im Jahr 2007 aufgelegt wurde“. In den Jahren 2005 bis 2008 haben sich die Weltmarktpreise für Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen mehr als verdoppelt (faz.net 29.04.08). Sicherlich ist die Spekulation nicht der einzige Grund in dem schwer durchschaubaren Geschäft mit dem Hunger. Die „Arbeitsgemeinschaft Finanzen“ nennt als Ursache: Nachfragesteigerung, Klimawandel, weniger Anbauflächen. Das Spekulationsgeschäft wird dort nicht erwähnt. Mit dem Geld der Anleger kaufen Banken diese Rohstoffe auf und lagern sie ein, um die Angebote weiter zu verknappen und dann die Nahrungsmittel wieder teurer zu verkaufen. Diese mörderischen Spekulationsgeschäfte schädigen die Menschen, Umwelt und Klima in doppelter Hinsicht. Mit der wachsenden Weltbevölkerung (80 Mio. pro Jahr) wächst auch die Nachfrage.
Wegen der horrenden Gewinne wiederum werden die Anbauflächen gewissenlos vergrößert vielfach durch die Zerstörung der Regenwälder. Gleichzeitig veröden die neu gewonnenen Ackerflächen durch einseitige Bebauung . Ein kurzfristig tödlicher Kreislauf für die Menschen im Süden Afrikas, langfristig zerstörerisch für die ganze Menschheit – von gewissenlosen institutionellen und privaten Spekulanten bewusst in Kauf genommen. Die vielen verantwortungsbewussten Spender in der ganzen Welt retten tausende Kinderleben, die Spekulanten können jedoch unbehelligt weiter ihr Gewinne machen – so wird aus den Spenden eine Art freiwillige „Überlebenssteuer“. Die räuberische Spekulation auf Grundnahrungsmittel muss verboten werden, denn das ist nichts anderes als eine Art „Völkermord“. Daher müssen die Kriterien für Völkermord aktualisiert werden und das gilt für auch für den gewissenlosen Betrieb von Atomkraftwerken (Fukushima). Der bewusst in Kauf genommene Tod tausender Menschen ist MORD! Schon längst könnte durch gemeinsame Aktivitäten aller reichen Nationen und Unternehmen Hungerelend gemildert oder gar beseitigt werden. Die technischen und finanziellen Mittel sind vorhanden. Der indische Armutsforscher Nobelpreisträger Amartya Sen hat herausgefunden, dass Hungersnöte nicht nur dadurch entstehen, dass es zu wenig Nahrung für zu viele Menschen gibt, sondern dass Nahrungsmittelknappheit häufig das Resultat eines politisch motivierten Verteilungsproblems ist.
Die Rohstoffe gehören den Völkern der Anbauländer und nicht den Multikonzernen und Spekulanten. Wir fordern die Hamburger Politiker aller Fraktionen auf, sowohl auf Bundes-rats- als auch Bundestagsebene entsprechende Initiativen zu ergreifen. Die Politik muss
• die Spekulation mit Agrarrohstoffen verbieten
• zu Hungerkatastrophen führende Spekulationen mit Agrarrohstoffen als Völkermord ahnden
• eine von reichen Nationen getragene aktive Renaturierung der Hungerregionen ermöglichen
SOAL, Claus Reichelt, 432 584 – 10, info@soal.de, Große Bergstraße 154, 22767 Hamburg
Foto: Lutz Stallknecht / pixelio.de
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