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Stellungnahme AFBG (24.04.2017)

Stellungnahme des sozialen und alternativen Wohlfahrtsverband SOAL e.V. zur Änderung des AUFSTIEGSFORTBILDUNGSFÖRDERUNGSGESETZES (AFBG) und den Auswirkungen auf die Praxis in Kitas. 

Oder: Warum Kitas nicht mehr ausbilden können, wenn die Praktikant*innen lediglich einen Tag pro Woche in die Einrichtung kommen.

Zum 01. August 2016 trat das dritte Änderungsgesetz zum Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz in Kraft. Dadurch sind angehende Erzieher*innen berechtigt, das sog. Meister-Bafög zu beziehen. Das begrüßen wir, denn so ist der Lebensunterhalt von Menschen gesichert, die eine Ausbildung zu diesem wichtigen Beruf absolvieren. Vor dem Hintergrund des massiven Fachkräftemangels ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, da er die Situation während der Ausbildung verbessert und die Ausbildungsphase für viele Menschen attraktiver macht.

Eine Sachlage wurde dabei jedoch übersehen!

Das Gesetz formuliert Voraussetzungen, die während der Ausbildungsphase umgesetzt sein müssen. Weil sich das Gesetz aber auf verschiedene und dabei ganz unterschiedliche Berufe bezieht, werden diese Voraussetzungen nicht allen gerecht. Formuliert ist in § 2 (3) AFBG, dass die Ausbildung als Vollzeitmaßnahme 25 Unterrichtsstunden pro Woche umfasst. Diese Stunden müssen an vier Tagen in der Woche stattfinden. Die Praxiszeit fällt also, neben der Möglichkeit der Blockpraktika, auf einen Tag der Woche. 

Vielleicht fällt dies nicht weiter ins Gewicht, wenn Menschen sich zum/zur Handwerks- und Industriemeister*in, Techniker*in, Fachkaufmann/-frau, Betriebswirt*in ausbilden lassen?  Zumindest sind diese Berufe keine sozialen Berufe und dort sind Menschen nicht die erste Zielgruppe. Erzieher*innen jedoch arbeiten mit Menschen bzw. mit Kindern und Jugendlichen und ein großer Aspekt ihrer Arbeit besteht darin, eine Beziehung einzugehen. 

In den meisten Bundesländern müssen angehende Erzieher*innen die Praxisphase an die zweijährige schulische Ausbildung anschließen. In Hamburg jedoch ist die Ausbildung so konzipiert, dass die schulischen und die praktischen Phase parallel geschehen und ineinander verzahnt sind. Bisher befanden sich die Auszubildenden somit an 2-3 Tagen pro Woche an ihren Praxisorten. Dies ist nun nach dem neuen Gesetz nicht mehr möglich.

Unsere fachlich begründete Kritik:

In der Pädagogik hat sich während der letzten Jahrzehnte die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine verlässliche und kontinuierliche Beziehung für Kinder und Jugendliche in Institutionen wichtig ist. Sämtliche Begleitung, Betreuung, Pflege und Bildung geschieht auf dem Fundament einer solchen Beziehung. Gerade dann, wenn junge Kinder im Alter von 0-3 Jahren betreut werden, braucht es diese Verlässlichkeit. Es ist nicht möglich und aus pädagogischer Sicht fahrlässig, eine Person einen Tag pro Woche an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu beteiligen. Der soziale und pädagogische Bereich zeichnet sich hier durch eine gewisse Fragilität aus, der die Festlegung einer verkürzten Praxisphase in keiner Weise gerecht wird.

Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass durch eine eintägige Praxisphase pro Woche die Qualität in der Ausbildung massiv sinkt. Das kann nicht gewünscht sein! Die Aufgaben, die Auszubildende an diesem einen Tag pro Woche übernehmen können, sind aufgrund der ausgeführten Problematik beschränkt. Sie können nur Einblicke in die Abläufe dieses einen Tages erhalten. Viele weitere Aktionen, Angebote und pädagogische Situationen können sie nicht miterleben. Dabei ist die Praxisphase bei dieser Ausbildung – wie auch bei allen anderen – enorm wichtig. Die theoretischen Inhalte der Schulen werden verstanden durch das eigene praktische Erleben und die unerlässliche Reflexion dessen. Nur durch die Ausbildung vor Ort in den Praxisstellen kann eine qualitative Ausbildung zur/ zum Erzieher*in gelingen. Ohne Praxis gelingt es nicht. Und eine eintägige Praxis verhilft nicht zu den notwendigen Einblicken.

Lage der Träger:

Diese Entwicklung ist für die Träger, die verantwortungs- und qualitätsvoll ausbilden wollen, vollkommen hinderlich. An einem Tag pro Woche soll Praxis erlebt, in den Alltag mit einbezogen, reflektiert, beobachtet, dokumentiert und selbständig gearbeitet werden. Auch ein Anleitungsgespräch ist Bestandteil der Qualitätskriterien. Das ist nicht möglich und macht noch einmal mehr deutlich, dass die Erzieher*innen-Ausbildung hier an Qualität verliert. Die Träger werden mit ihren Erfahrungen und ihrer Professionalität ein ganzes Stück weit übergangen und ausgeblendet. Die Aufgaben, die sich ihnen als Praxisort stellen, können sie an einem Tag nicht umsetzen. Auch nehmen sie ihren Auftrag wahr, das Wohl der Kinder zu berücksichtigen und zu fördern und ihnen dazu verlässlich Menschen an die Seite zu stellen. Dies alles hat zur Folge, dass immer mehr Kita-Anbieter keine Praktikant*innen aufnehmen, da sie mit diesem beschränkten Zeitvolumen nicht verantwortungsvoll arbeiten können. Eine fatale Entwicklung, die hier ihren Anfang nimmt: pädagogische Fachkräfte werden gebraucht, die Ausbildungsstätten erhöhen ihre Aufnahmekapazitäten, die Auszubildenden finden jedoch keine Praxisstellen! 

Was SOAL fordert:

Wir begrüßen, wie eingangs erwähnt, die Gesetzesänderung, die den Zugang für Menschen zu einer finanziellen Unterstützung während der Ausbildung gewährleistet. In Hamburg ist jedoch die in § 2 Absatz 3 AFBG formulierte Regelung nicht sinnvoll umsetzbar! In aller Konsequenz verhindert man so die Entgegenwirkung des Fachkräftemangels und den vom Bund geforderten Ausbau an Kitaplätzen. Denn wenn Träger nicht mehr ausbilden können, weil die gesetzlich formulierten Voraussetzungen nicht mit ihrer Praxis und ihren Qualitätsansprüchen vereinbar sind, kann der Fachkräftemangel nicht abgemildert werden. Und ohne diese dringend benötigten Fachkräfte wird kein Ausbau an Kitaplätzen erfolgen können.

Wir fordern deshalb eine Ausnahmeregelung im AFBG für die Ausbildung der Erzieher*innen in Hamburg! Die besonderen Erfordernisse dieses Berufsfeldes, eine tragfähige Beziehung zu jungen Menschen einzugehen, machen es notwendig, eine andere Lösung zu finden. Die Praxistage müssen an 2-3 Tagen die Woche stattfinden können, ohne dass der Bezug des Bafögs dadurch gefährdet wird. 

Alle, die sich den Forderungen anschließen können, bitten wir um Unterstützung durch ihre Unterschrift. Wir freuen uns über die  Zusendung des persönlichen Namens sowie des Einrichtungsnamens an info at soal dot de


12.04.2017

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