SOAL Software
Infos und Downloads zu SOAL KIT und SOAL Kalk.
SOALQE
Informationen zu der SOAL Qualitätsentwicklung
SOAL Termine
Arbeitsgruppen und Treffen im Überblick
SOAL Fortbildungen
Hier finden Sie das aktuelle Fortbildungsprogramm

Stellungnahme (06.08.2018)

Der alternative Wohlfahrtsverband SOAL begrüßt grundsätzlich, dass die Weiterentwicklung der Qualität frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege gesetzlich verankert wird. 
 
Zum vorliegenden Referentenentwurf vom 06. Juli 2018 beziehen wir wie folgt Stellung:  

Perspektive der Kinder als Ausgangspunkt 

Ein Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung muss zuvörderst die Perspektive der Kinder in den Blick nehmen; Qualität in Kita und Kindertagespflege muss sich daran messen, inwieweit die Rechte und Bedarfe der Kinder in den Einrichtungen Beachtung finden und umgesetzt werden. Das ist nach Auffassung von SOAL deutlich im Gesetzestext zu benennen und in den Umsetzungsvorschlägen handlungsleitend zu beachten. Die unter § 2 9b) und c) benannten Handlungsfelder sollten daher zu den Handlungsfeldern mit herausgehobener Bedeutung hinzugezählt werden.1

Ausreichende und langfristige Finanzierung 
Nachdem in den letzten Jahren ein erheblicher Ausbau der Platzzahlen erfolgte, der bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, ist es dringend erforderlich, als Ausgangspunkt für die fachliche und inhaltliche Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit, die Ausstattungsqualität zu verbessern. 

Grundvoraussetzung für eine gelingende Umsetzung, ist allerdings eine ausreichende und langfristig nachhaltige Finanzierung. Der vorliegende Entwurf sieht seitens des Bundes einen Finanzierungsumfang in Gesamthöhe von 5,44 Milliarden Euro bis 2022 vor. Danach ist keine weitere Finanzierung aus Bundesmitteln vorgesehen.

Im Kontext der Qualitätsdiskussion kumulieren vier Herausforderungen prominent. Deren gleichzeitige Bewältigung ist nur mit einer weitaus höheren und dauerhaft gesicherten Finanzierung vorstellbar.
 

  • Der weitere bedarfsgerechte Platzausbau einschließlich Grundschulkinder wird bis zum Jahr 2025 mindestens 1 Million2 weitere Plätze erfordern.
  • Ziel für eine gute pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen muss der wissenschaftlich anerkannte Fachkraft-Kind-Schlüssel3 von 1:1,4 bei den Untereinjährigen, 1:2,7 bei den Kindern im Alter von zwei bis unter drei Jahren und 1:6,1 bei den Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt sein.
  • Es ist von einem zusätzlichen Fachkraftbedarf im Umfang von mindestens 600.000 Stellen auszugehen.
  • Die Beitragsfreistellung für Kinder aus Familien, die Leistungen nach SGB 2, SGB 12, AsylbLG, WoGG oder Kinderzuschlag gem. BKGG erhalten, sowie ggfs. sozialgerechte Beitragsentlastungen durch Staffelung, werden erhebliche weitere Kosten auslösen. Eine generelle Beitragsbefreiung würde jährliche Kosten in Höhe von ca. 7,3 Milliarden Euro4 auslösen.

Alleine für den bedarfsgerechten Platzausbau und die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels sind jährlich mindestens 10 Milliarden Euro erforderlich. Diesen Bedarfen muss ein Kitaqualitätsgesetz in der Perspektive Rechnung tragen.
 

Beitragsfreiheit hinten anstellen – gerechte Staffelung fördern

Maßnahmen zur Beitragsreduzierung sind in diese Kosten nicht eingerechnet. Aus diesem Grund plädieren wir, wie auch diverse namhafte Wissenschaftler und Institute, dafür, die Beitragsbefreiung erst nach dem Platz- und Qualitätsausbau in Angriff zu nehmen. Der Vorstand des Deutschen Jugendinstitutes, Prof. Dr. Rauschenbach, konstatierte auf dem 81. Deutschen Fürsorgetag, dass die Einführung oder Ausweitung der Beitragsfreiheit, wie sie aktuell in einzelnen Ländern geplant sei, die Bemühungen um Platz- und Qualitätsausbau konterkariere. Eine soziale Staffelung der Familieneigenanteile halten wir jedoch für zwingend geboten.

Langfristige Unterstützung der Länder
Ebenso halten wir eine langfristige Unterstützung der Länder durch den Bund für notwendig. Denn: Um die pädagogische Qualität zu gewährleisten, reicht es nicht allein die Fachkraft-Kind-Relation dauerhaft zu erhöhen. Die hohen Anforderungen an die frühkindliche Pädagogik, an inklusives Arbeiten gerade auch mit sehr jungen Kindern, erfordern kontinuierliche Qualitätsanstrengungen, insbesondere bei der Qualifizierung und Fortbildung der Pädagog*innen und Leitungen. 

Zielzahlen für Qualitätsstandards benennen
Aus dem Feedback unserer Mitgliedsträger entnehmen wir, dass in der Praxis der Eindruck entstanden ist, dass im Fokus des Referentenentwurfes mehr eine Win-win-Situation für Bund und Länder steht, als die unmittelbare pädagogische Qualität in der Kindertagesbetreuung.
Es gibt großen Unmut und Enttäuschung darüber, dass das Gesetz keine bundeseinheitlichen Mindeststandards oder zumindest qualifizierte Zielsetzungen für Standards benennt. SOAL fordert, die oben genannten Fachkraft-KindSchlüssel mindestens als Zielqualität in das Gesetz aufzunehmen.

Ausbildung attraktiver machen und Fachkräfte halten durch angemessene Bezahlung

Viel stärker als bisher muss die Gewinnung von Fachkräften gefördert werden, wie der Gesetzentwurf es in §2 Nummer 3 vorsieht. Allerdings bleibt der Entwurf zu unkonkret, was die konkreten möglichen Maßnahmen angeht. Die Ausbildungswege müssen attraktiver werden. Dazu gehören insbesondere die Förderung neuer Formen von bezahlten dualen Erzieherausbildungen und die Finanzierung der Ausbildungskosten in den Kitas. Der Erzieher*innenberuf muss attraktiver werden. Viel zu viele Fachkräfte kommen nach dem Abschluss der Ausbildung gar nicht in die Kita, oder verlassen die Kitapraxis nach kurzer Zeit wieder. Neben der Verbesserung des FachkraftKind-Schlüssels mit der Berücksichtigung von mittelbarer Pädagogik und Ausfallzeiten, muss auch die Anerkennung des Berufsfeldes durch höhere Bezüge erfolgen. Diese Zielsetzungen müssen daher ebenfalls als Zielqualität benannt werden.

Leitungsausstattung definieren
Alle wissenschaftlichen Studien belegen, eine gute Leitungsausstattung ist ein Schlüssel für Qualität in der Kindertagesbetreuung. Die Hamburger Erfahrungen zeigen, dass je Krippenkind mindestens 0,8 und je Elementarkind 0,65 Wochenstunden Leitung benötigt werden. Auch diese Schlüssel sollen mindestens als Zielangabe im Gesetz aufgenommen werden.

Fachberatung als Pflichtleistung verankern
Die Notwendigkeit von Fachberatung für eine qualitativ hochwertige Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsarbeit in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege ist in Wissenschaft und Praxis unbestritten. Fachberatung hat eine Schlüsselfunktion. Fachberatung für Kindertageseinrichtungen muss als Pflichtleistung im Gesetz verankert werden. Eine Fachberatungsstelle in Vollzeit sollte grundsätzlich für nicht mehr als 20 Einrichtungen zuständig sein. Fach- und Dienstaufsicht sollten von Fachberatungsaufgaben getrennt sein. Ist dies nicht der Fall, müssen zusätzliche Stellenanteile dafür berücksichtigt werden.
 
Dialogisch ausgerichtete Qualitätsmanagementsysteme 

Die in §4 Nummer 4 beschriebene Selbstverpflichtung der Länder mit den Trägern ein Qualitätsmanagementsystem zu vereinbaren, ist zu präziseren. Für die sozialen Arbeitsfelder, in denen es schwerpunktmäßig um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie um Beziehungsgestaltung geht, haben sich dialogische Qualitätsmanagementsysteme bewährt. Angesichts der Vielfalt der bestehenden Qualitätsentwicklungsverfahren für Kindertageseinrichtungen der unterschiedlichen Träger ist für uns die Selbstverpflichtung ein QM-System auf Landesebene zu entwickeln fachlich nicht nachvollziehbar. Hier bedarf es weiterer Fachdiskussionen. 
 
SOAL vertritt in Hamburg als Verband der freien Wohlfahrtspflege derzeit unter anderem 178 Kindertagesstätten und ist Mitglied der Hamburger Vertragskommission Kindertagesbetreuung, gem. § 26 Landesrahmenvertrag Kindertagesbetreuung und § 15 Abs. 1 KibeG.
 
 
Kontakt
Sabine Kümmerle, Geschäftsführung   Tel: 040 – 432 584 – 14 sabine.kuemmerle@soal.de 
Elimar Sturmhoebel, Jugendhilfereferent  Tel: 040 – 432 584 – 11 elimar.sturmhoebel@soal.de 

1 Inklusion ist hierbei umfassend auf alle Lebensbereiche bezogen, nicht ausschließlich auf die Inklusion behinderter Menschen 2 Professor Dr. Rauschenbach, Vorstand des Deutschen Jugendinstituts, Vortrag vor dem 81. Deutschen Fürsorgetag, 16.05.2018 3 Der Fachkraft-Kind-Schlüssel berücksichtigt Zeit für die unmittelbare Arbeit am Kind, Ausfallzeiten und mittelbare Pädagogik. 4 „Eltern Zoom 2018“, Bertelsmann Stiftung 

Zurück